Donnerstag, 20. Oktober 2022

Der "echte" Grund fürs Reisen in die Capitale

 So, liebe Leut:

Einige von euch wussten ja, warum ich seit neuestem dauernd nach Lissabon fliege. Selbst wenn die Capitale natürlich Grund genug wäre... der "echte" Grund war ein anderer.

Bei mir wurde Anfang Juli 2022 ein Basalkarzinom diagnostiziert. Die Diagnose erfolgte zwar im (privaten) HPA Alvor, und ich war dort auch auf Anraten des Dermatologen beim plastischen Chirurgen (denn das relativ große Basaliom könne nur der entfernen). Ich bin aber trotzdem (auch aus Kostengründen, ganz ehrlich gesagt), in mein hiesiges (staatliches) Centro de Saúde gegangen.
Termin dort war zwei Wochen später. "Meine" Familienärztin sah sich den vorliegenden Befund an und überwies mich nach Lissabon. Sie teilte mir mit, die Untersuchung würde innerhalb von 80 Tagen (weil keine urgência, also kein dringender Notfall) erfolgen.
Aus Lissabon bekam ich etwa drei Wochen später eine schriftliche Benachrichtigung, dass meine consulta dort für 19. September um 14 Uhr angesetzt war.
Nun ging die Zackersche Planung los: Ich wusste ja über Helmut von SevenAir und hab nach Hin- und Herüberlegen und mehrmaligem Emailkontakt zum CHUL (Centro Hospilatar Universitário de Lisboa) beschlossen, zumindest eine Strecke zu fliegen. Rückflug am selben Tag ging sich leider nicht aus, weil man mir nicht sagen konnte: Wie lang muss ich warten? Also hab ich einen relativ späten Bus gebucht (den ich dann, weil alles ratzfatz ging, spontan und vor Ort auf einen frühnachmittäglichen umbuchen musste/konnte).

Besuch 1 - consulta

Termin war 14 Uhr. Ich war ca. 10 Minuten früher da. Einchecken am PC der recepção unter Mithilfe eines freundlichen Angestellten, dann Wartesaal mit noch einer recepção, wo ich sofort drankam und wo alle Kontaktdaten abgeglichen wurden. Dann hinsetzen und warten. 14:05 wurde ich aufgerufen zu Doutora Joana. Eingehende Beratung und Hautscan des Oberkörpers sowie Nachfrage, ob's irgendwo sonst ein Fleckchen gäbe, dass sie sich auch noch anschauen sollte. Hinzurufen des späteren Operateurs, Doutor Rodrigo (ein Schnuckelchen). Sehr angenehme Atmosphäre, ich fühlte mich gut und eingehend beraten. Beide Docs sprachen Englisch, der Rest der Bevölkerung im CHUL Portugiesisch. Da musst ich halt durch und merkte: So schlimm ist das gar nicht. Nur etwas ungewohnt, wenn man an der Algarve lebt.

Als Termin für die OP wurde der 28. November angesetzt, leider zu einer Zeit, wo ich den Frühflug nicht nehmen konnte. Hieß: einen Tag vorher anreisen. War's mir aber wert. Und eine Nacht in Lissabon - warum nicht?! Wobei mir Doutora Joana sagte: "Es kann gut sein, dass wir Sie früher drannehmen. Wir arbeiten momentan Montag bis Samstag. Wenn was frei wird, melden wir uns." Dran geglaubt hab ich nicht, wohl aber gehofft. Sicherheitshalber aber Hotel und Hundepension für 28.11. klargemacht.

antecipação - Vorverlegung

Vergangenen Mittwoch, ich speiste gerade vorzüglich mit guten Bekannten im Luar da Foia, kam ein Anruf aus Lissabon. Ob ich denn am Montag, 17. Oktober kommen könne? Ich konnte.
Danach ging wieder die Zackersche Rödelei los: Hotel stornieren und neues buchen (unter Mithilfe von Ilona - obrigadíssima mais uma vez), Flüge buchen (diesmal Hin- und Rückflug: juhu), Hundepension umbuchen.
Weil SevenAir leider nicht sonntags fliegt, durfte ich schon am Samstag in die Capitale und hatte daher die willkommene Gelegenheit, von einem Gruppenmitglied als Stressausgleich während der Coronazeiten leichtsinnigerweise angebotene Gin&Tonic-Genüsse einzufordern. Meiner Forderung wurde bestens entsprochen. Noch'n obrigadíssima an Heino und seine liebe Frau Bettina.

Besuch 2 - die OP

Ich sollte mich ca. 9.15 im Sekretariat der ambulanten dermatologischen Chirurgie melden. Hab die auch endlich gefunden - nach 2x Nachfragen und in den Katakomben eines nicht sehr modernen Gebäudes. Einrichtung und alles andere aber: modernstens. Sieht man mal wieder: "Äußerer Schein trügt".
Es gab eine etwas längere Wartezeit von etwa 30 Minuten, aber gegen 10:15 (angedacht war 9:45) war ich im OP.
Sehr sehr freundliche Krankenschwestern - unheimlich hilfsbereit, alles erklärt und geholfen, wo es nur ging. Dann kam Schnuckelchen Dr Rodrigo mit einem Dr Miguel. Lokalanästhesie, Krankenschwester hielt Händchen weil: "Das ist der unangenehmste Part für Sie". Danach hat man gefühlt ewiglich an mir rumgeschnibbelt. Ich dachte, es würde bereits genäht, aber nein: "Der Tumor ist groß und war sehr tief, aber jetzt ist er draußen."
Dann wollte Dr. Rodrigo, dass ich ihn anlächle und anlache - damit er genau weiß, wie meine Mimik funktioniert und er die Nähte richtig setzen kann. "Weil, Dona Cristina, Ihr Lachen - das sind Sie!" Sowas hört frau gerne, so viel Narkose gibt's nicht, dass ich so etwas nicht höre.
Um 11:45 war ich wieder draußen. Dass das Ganze länger dauerte als "normal" wusste ich, als Dr Rodrigo mir sagte, er hätte genügend Drogen ("lots of stuff") im Haus, wenn es also irgendwo anfinge zu zwicken, würde er nachanästhesieren. Nahm ich gerne in Anspruch. Wieder mit Händchenhalten der Krankenschwester. Dr Rodrigo weigerte sich allerdings, mit mir einen schwunghaften Drogenhandel in der Serra de Monchique zu beginnen. Weiß gar nicht, warum er das nicht will, aber jetzt könnt ihr euch vielleicht besser die für mich locker-angenehme Atmosphäre im OP vorstellen...
Von der Krankenschwester wurde mir noch zugeflüstert, dass Doutor Rodrigo der beste überhaupt sei (ich nehme mal an, als Operateur, nicht als Dealer!). Und das sagte sie auf Portugiesisch UND Englisch, damit ich's bestimmt versteh.
Kurz vorm Rausgehen bekam ich ein Riesenmerkblatt mit genauem OP-Hergang und Anweisungen zu Verbandwechsel/Fädenziehen fürs CdS hier in Monchique. Außerdem mehrere Packungen Salben zur Behandlung Tag/Nacht, wenn die Fäden gezogen sind. Und man wies deutlich und mehrfach darauf hin: "Wenn irgendwas unklar ist, wenn Sie noch irgendetwas wissen wollen oder brauchen: Rufen Sie an oder mailen Sie uns!"
Heimflug war ok - die FFP2-Maske, die ich sowieso trage, hat den Verband komplett abgedeckt.


UPDATE 1 - erster Nach-OP-Tag

Daheim, aber noch hundelos. Denn kurz vor Start gestern in Tires (Stadtflughafen Cascais) hörte die Betäubung auf zu wirken und der Wundschmerz fing an. Deshalb bin ich gleich heim, nur kurz noch zur Apotheke.
Heute gegen Mittag ein Anruf vom CHUL: die gestrig amtierende Krankenschwester von der OP. Enfermeira Silvia wollte sich erkundigen, wie es mir ginge, ob ich irgendetwas bräuchte, ob alles geklappt hätte für morgen mit dem Termin zum Verbandwechsel. Hatte es. Und wenn ich das Antibiotikum nicht gut vertrage (was leider der Fall ist, ich kenn das schon) - eine Email genüge und sie wechseln das Präparat. Das Rezept käme wie üblich in Portugal per SMS. Wir haben vereinbart, eine Nacht probier' ich's noch.


UPDATE 2 - zweiter Nach-OP-Tag

Nachdem das Antibiotikum leider etwas zu heftig "anschlug", hatte ich gestern Nacht doch noch eine Email geschrieben. Und heute morgen keine Tablette genommen, weil auf der recht kurzen Fahrtstrecke in unser Centro de Saúde leider nicht alle 20 Meter eine Toilette steht (wenn ihr wisst, was ich meine!).

Termin dort war um 10 Uhr. Gegen 9:30 Anruf von Enfermeira Silvia aus Lissabon: "Entschuldigen Sie, dass ich erst jetzt anrufe." (Wie bitte? Es ist grad mal halbzehn. Da liegt frau mit Schmusehund, den ich nachher endlich heimhole, normalerweise noch im Bett.)
"Geht's Ihnen gut? Ich habe mit dem Arzt gesprochen, der Sie operiert hat. Er meint, wenn Sie keine Beschwerden haben, können Sie das Antibiotikum weglassen. Aber wenn irgendwas ist: Bitte melden!"
Juhu!
Im CdS klappte alles schnell und reibungslos: einchecken via recepção, kein Mensch vor mir, sofort um 10 drangekommen. Zehn Minuten später war ich wieder draußen.
Hab das Foto angefügt, wie die Wunde jetzt aussieht, ca 48 Stunden nach der OP. Dr Rodrigo ist ein Künstler, ein Meister seines Fachs!
Nächster Termin im CdS zum Verbandwechsel ist am Freitag und am Montag, den 24. Oktober, kommen die Fäden raus.



UPDATE 3 - vierter Nach-OP-Tag

Ich kühle nach wie vor ein paarmal täglich mit Eis (nachdem ich's am ersten Abend völlig vergessen hatte). Heute um 15:15 war Termin im CdS zum Verbandwechsel. Diesmal musste ich doch tatsächlich 10 Minuten warten. Beide Krankenschwestern sprachen "nur" Portugiesisch, ist aber glücklicherweise kein Problem. Die Wunde "está muita boa" - und wir waren uns einig, dass Dr Rodrigo ein "artista" ist. Bis zum Faden-ziehen-Termin am Montag soll ich noch kühlen, das würde nix schaden. Und schon war ich wieder draußen - im strömenden Regen...

UPDATE 4 - genau 1 Woche nach der OP 

Nach wie vor bin ich mehr als angetan - geradezu begeistert von der Arbeit Dr Rodrigos: 9 Mini-Mini-Stiche, wie mir die Krankenschwester im CdS in Monchique vorzählte. Man sieht jetzt schon kaum was, wenn ich lache. Und das Lachen hab ich ja glücklicherweise behalten... 



UPDATE 5 - vier Wochen nach der OP

Mittags klingelt mein Handy - die nette Schwester Silvia aus der Dermatologie in Lissabon ist dran. Sie will sich erkundigen, wie es mir geht, ob alles ok und gut verheilt ist. Ist es! Hab dann gleich die Gelegenheit genutzt, sie zu bitten, dass das Antibiotikum, auf das ich so heftig reagiere, in meiner "Akte" beim SNS entsprechend eingetragen wird. Man weiß ja nie... wenn was passiert und ich eingeliefert werde, liegt diese Info (neben den anderen Medikamenten und Medikamentenallergien) dann eben schon vor. Kann nicht schaden...

Warum ich das so ausführlich berichte?

Mich regt oft die aus Unwissenheit oder - schlimmer noch! - Arroganz getroffene Ansicht etlicher Residenten auf, dass das portugiesische Gesundheitssystem ganz furchtbar mies sei, vor allem im Vergleich zum deutschen.
Ich kann euch nur sagen:
Ich habe mich niemals, weder in Deutschland als Privatpatientin noch als GKV-Versicherte, auch nur ansatzweise so empathisch und rundherum gut betreut gefühlt wie jetzt im staatlichen SNS.
Ok, auf "meinen" Kardiologen und die Krankenpflege im HPA Alvor lasse ich auch nichts kommen.

Aber was ich beschreibe, geschah/geschieht im oft so verschrienen staatlichen System Portugals. Und in einer Großstadt, wo man tagtäglich Tausende Patient*innen durchschleust.
Zwei Freundinnen berichten mir, dass sie nach ihren Brustkrebs-OPs praktisch eine Standleitung zum Hospital Barlavento hatten - das ist das ebenfalls oft geschmähte Krankenhaus in Portimão. Standleitung nicht wegen Beschwerden ihrerseits, sondern weil man sich hingebungsvoll immer wieder erkundigte, ob alles in Ordnung sei, ob man was bräuchte.
Mir ist klar, dass dies nicht überall in Portugal so klappt, dass es sicher andere, negative Erfahrungen gibt. Nur: Die gibt's in Deutschland wahrlich auch.
Wenn ich die Wahl habe, bevorzuge ich Portugal. Eindeutig.

Dienstag, 20. September 2022

Tag der Premieren in Lissabon

Nach etwa 7 Jahren in Grande Lisboa lebe ich ja nun seit knapp 11 Jahren an der Algarve, im vielgelobten "Hinterland" in der Serra de Monchique. Man kann also getrost sagen, dass ich ein (älteres) "Mädel vom Lande" geworden bin. Fern von all dem neumodischen Zeugs, womit die Hauptstädter so angeben. War seitdem nicht mehr in der Capitale - ein Besuch in Lissabon ist daher ein richtiges Abenteuer. 😉 

Gestern war für mich ein "Tag der Premieren".

Premiere 1

Es gibt den Aeródromo Municipal Portimão, ein Winzflughafen. Helmut & Jana hatten mir vor einiger Zeit davon erzählt und ich war sehr angetan, denn der Flug zum Stadtflugplatz in Tires bei Cascais bei Lissabon dauert nur 35 Minuten (gegen über 3,5 Stunden Busfahrt ab Portimão zum Sete Rios). 

Kostenpunkt: einfache Strecke ab 64 Euro. Das Shuttle von Tires zum Marques de Pombal ist im Preis inbegriffen. Okay: teurer als Bus oder Bahn. Aber bequemer. Viel bequemer. 

Ja, ich habs genutzt. Bin 14 Jahre nicht mehr geflogen und habs mir auch deshalb gegönnt. Also nichts mit Flugscham oder so. 

Es ist ja schon mal ganz angenehm, wenn du an einen Flughafen kommst und weißt: Mehr als 18 Leute können beim Check-in nicht vor dir in der Schlange stehen. Weil der Flieger nur 19 Plätze hat. Waren aber nicht mal so viele - inkl. mir gab's nämlich nur 8 Passagiere. 

Sicherheitsvorkehrungen allerdings wie bei den großen Airports: 3x (!) Abgleich von Bordkarte und Ausweisdokument. 4 Mann hoch (bzw. 3 + 1 Frau) GNR war da. Gründliches Abtasten. Vom Handgepäck (mehr hatte ich nicht) wurde jedes noch so kleine Stück aus der Tasche genommen und untersucht. 

Der Flieger hatte Verspätung (ca 25 Minuten), hat aber niemanden groß gestört (auch dafür liebe ich Portugal). Vom Gate zum Flieger sind es ca. 20 Meter - daran kann man sich gewöhnen, finde ich. 

Der Flug selbst war toll, ich liebe diese kleinen Maschinen (war eine Dornier 228) und nächstes Mal weiß ich dann auch, worauf ich bei der Platzreservierung achten muss, um auf der "richtigen" Seite für den Blick auf die Capitale samt Brücken zu haben. 

Gesetz des Tages: Du sollst nicht dreieinhalb Stunden beengt im Bus sitzend fahren, wenn du fliegen kannst. 

 
 
Innenraum - beim zweiten Flug dann doch dreieinhalb Passagiere (der halbe ist ein Kindlein)

Blick auf Cabo Espichel (im Foto unten) und die Lagoa de Albufeira (im Foto oben)

Blick auf Lissabon: vorne der Tejo-Leuchtturm Bugio, im Hintergrund die Ponte

Premiere 2

Ich entdecke Uber. Lacht nicht, aber... in Monchique gibt's sowas Modernes nicht. Und in Portimão brauch ich's normalerweise nicht. Nach kurzer Rückfrage (Dank an Simão) wusste ich dann genau, wie's geht. Und ich finde es toll. Ich wäre auch mit Taxi in Lissabon rumgekurvt, aber die Uber-App macht's einem schon sehr einfach... Ich weiß ich weiß, dass Uber nicht unumstritten ist. Aber nicht erst lange erklären bzw. rausfinden zu müssen, wo man eigentlich genau ist und wo man hinmuss und wie lange das Auto braucht und was es kostet... das empfinde ich schon als sehr angenehm.

Gesetz des Tages: "Modern Times" sind niemals zu verachten, vor allem, wenn man trotz billiger Fahrpreise gut Trinkgeld gibt. Am besten cash, weil ob's über die App ankommt...?

Premiere 3

Consulta im (CHUL) Centro Hospitalar Universitário de Lisboa. Termin war 14 Uhr. Drangekommen bin ich um 14:05. Zwei sehr sympathische und kompetente Ärzte. OP-Termin vereinbart für 28.11.2022. Man arbeitet nämlich auch samstags und kann daher relativ schnell Termine vergeben. Evtl. komm ich noch früher dran, dann ruft man mich an.

Gesetz des Tages: Ich versteh immer weniger, warum über das portugiesische staatliche Gesundheitssystem so viel gemeckert wird. Vor allem nicht in der Kombi wie in meinem Fall mit privater Diagnostik. 



Alles fertig und ich wieder draußen: ca. 14:30. Darauf noch'n Uber, diesmal zum Sete Rios, Busticket umbuchen. Ich hatte nämlich "sicherheitshalber" im Bus um 18 Uhr reserviert, in der Annahme, dass ganz bestimmt ("kennt man ja!") längere Wartezeiten auftreten würden. Auch das Umbuchen klappte problemlos, selbst wenn das Ticket jetzt keine promoção für 8 Euro mehr war. 

Um 18:40 war ich wieder in Portimão. Dort kam dann der letzte Uber zum Parkplatz des Flugplätzchens in Alvor. 😉 

Tüpfelchen auf dem i

Mein Shuttle-Mitreisender hielt mich für eine Britin. Muss daran liegen, dass die königliche Berichterstattung der vergangenen 10 Tage offensichtlich und hörbar auf meine Aussprache abgefärbt hat. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass der Mitreisende ebenfalls Deutscher und sogar ein echter Münchner war. "Bayern unter sich in Lisboa"... mehr muss ich wohl nicht schreiben.

Donnerstag, 4. März 2021

Hunde sterben nie wirklich

Hunde sterben nie. Sie wissen gar nicht, wie sie es anstellen sollen. Sie werden zwar müde, sehr alt und ihre Knochen verletzlich. Doch natürlich sterben sie nicht. Wenn sie es täten, würden sie nicht immer spazieren gehen wollen, sogar wenn ihre alten Knochen schon sagen „Nein, keine gute Idee. Lassen wir das mit dem Spaziergang“. Nein, Hunde wollen immer spazieren gehen. Sie würden sogar noch einen Schritt gehen, kurz bevor ihre gealterten Muskeln nicht mehr mitspielen und sie auf dem Boden kollabieren. Doch so sind Hunde… sie laufen weiter.
Es ist auch nicht so, dass sie deine Gesellschaft nicht schätzen. Auf der anderen Seite ist ein Spaziergang mit dir alles, was sie haben. Ihr Boss und Duftmarkierungen bedeuten ihnen die Welt. Das Entsorgen von Hundehäufchen, eine weitere Hundemarkierung, ein verwester Hühnchenknochen und du. Das ist es, was die Welt für sie perfekt macht, und in dieser perfekten Welt gibt es keinen Platz für den Tod.
Jedoch werden Hunde sehr, sehr müde. Das ist es, was du beobachten kannst. So etwas bringen sie dir neben keynesianischer Wirtschaftstheorie nicht an der Universität bei. Sie wissen so viel und vergessen dabei, dass Hunde niemals sterben. Es ist wirklich eine Schande.
Wenn du denkst, dein Hund sei gestorben, ist er lediglich in deinem Herzen eingeschlafen. Und nebenbei, wedelt er so heftig mit dem Schwanz… kannst du es dir vorstellen?! Darum tut dir auch deine Brust so weh und du musst die ganze Zeit weinen. Wer würde nicht weinen, wenn er einen glücklichen Hund in seinem Herzen tragen, würde der ständig mit dem Schwanz wedelt. Autsch! Sie wackeln aber nur kurz, nachdem sie aufwachen. Nämlich dann, wenn sie sagen: „Danke Boss! Danke für einen warmen Schlafplatz direkt in deinem Herzen, dem allerbesten Platz.“

Wenn sie das erste Mal einschlafen, wachen sie noch häufig auf, deswegen musst du auch so oft weinen. Nach einiger Zeit können sie jedoch besser schlafen (und halte dir vor Augen, dass das Zeitempfinden von Hunden nicht vergleichbar ist mit dem der Menschen. Wenn du mit deinem Hund nach draußen gehst, ist es für ihn ein Tag voller Abenteuer in nur einer Stunde. Dann kommt er nach Hause und es dauert für ihn eine Woche – für dich ist es ein Tag – bis zum nächsten Spaziergang. Kein Wunder, dass er Spaziergänge so liebt.).

Naja, jedenfalls, wie ich schon sagte, sie schlafen in deinem Herzen. Und wenn sie aufwachen, dann wedeln sie kurz mit dem Schwanz. Nach wenigen Hundejahren machen sie längere Nickerchen und du auch. Er war sein Leben lang ein guter Hund, und das wisst ihr beide. Es macht müde, ständig ein guter Hund zu sein, besonders wenn du alt wirst, deine Knochen schmerzen, du immer wieder auf dein Gesicht fällst und zum Pinkeln trotz Regen rausgehen musst, weil du nun mal ein Hund bist.

Mach dich nicht verrückt. Sie sind nicht „tot“. Wirklich nicht. Sie schlafen in deinem Herzen, und sie werden immer wieder aufwachen, immer dann, wenn du es gar nicht erwartest. So sind sie nun mal.

Ich habe Mitgefühl mit denjenigen, die keinen schlafenden Hund in ihrem Herzen haben. Dir ist so viel entgangen. Entschuldige, ich muss jetzt gehen und ein wenig weinen.


Dogs never die

Some of you, particularly those who think they have recently lost a dog to “death”, don’t really understand this. I’ve had no desire to explain, but won’t be around forever and must.

Dogs never die. They don’t know how to. They get tired, and very old, and their bones hurt. Of course they don’t die. If they did they would not want to always go for a walk, even long after their old bones say:” No, no, not a good idea. Let’s not go for a walk.” Nope, dogs always want to go for a walk. They might get one step before their aging tendons collapse them into a heap on the floor, but that’s what dogs are. They walk.

It’s not that they dislike your company. On the contrary, a walk with you is all there is. Their boss, and the cacaphonic symphony of odor that the world is. Cat poop, another dog’s mark, a rotting chicken bone ( exultation), and you. That’s what makes their world perfect, and in a perfect world death has no place.

However, dogs get very very sleepy. That’s the thing, you see. They don’t teach you that at the fancy university where they explain about quarks, gluons, and Keynesian economics. They know so much they forget that dogs never die. It’s a shame, really. Dogs have so much to offer and people just talk a lot.

When you think your dog has died, it has just fallen asleep in your heart. And by the way, it is wagging it’s tail madly, you see, and that’s why your chest hurts so much and you cry all the time. Who would not cry with a happy dog wagging its tail in their chest. Ouch! Wap wap wap wap wap, that hurts. But they only wag when they wake up. That’s when they say: “Thanks Boss! Thanks for a warm place to sleep and always next to your heart, the best place.”

When they first fall asleep, they wake up all the time, and that’s why, of course, you cry all the time. Wap, wap, wap. After a while they sleep more. (remember, a dog while is not a human while. You take your dog for walk, it’s a day full of adventure in an hour. Then you come home and it’s a week, well one of your days, but a week, really, before the dog gets another walk. No WONDER they love walks.)

Anyway, like I was saying, they fall asleep in your heart, and when they wake up, they wag their tail. After a few dog years, they sleep for longer naps, and you would too. They were a GOOD DOG all their life, and you both know it. It gets tiring being a good dog all the time, particularly when you get old and your bones hurt and you fall on your face and don’t want to go outside to pee when it is raining but do anyway, because you are a good dog. So understand, after they have been sleeping in your heart, they will sleep longer and longer.

But don’t get fooled. They are not “dead.” There’s no such thing, really. They are sleeping in your heart, and they will wake up, usually when you’re not expecting it. It’s just who they are.

I feel sorry for people who don’t have dogs sleeping in their heart. You’ve missed so much. Excuse me, I have to go cry now.

Dienstag, 2. März 2021

Meine Jenny ist tot.

 Jenny - ein ganzes Hundeleben.

Die weiße Prinzessin. Die große Rattenjägerin. Die mit knapp 14 noch spielen konnte wie ein Jungspund. Der Lächel-Hund. Erzieherin der Satanstochter. Am 6. September 2007 kam sie ins Haus - am 1. März 2021 ist sie gegangen. Gut 13 Jahre hat sie mich begleitet. Danke.

                                       

 
Das letzte Foto...