-> Unschuldige Zivilisten, Ärzte und Journalisten
-> Tote bei Sturm auf UN-Hamas-Lager: Die Parallelwelt der Nachrichten und UN
-> Israelische Offensive und der Gamechanger – für Dummies
Seit 2004 schreibe ich über mein Auswandern in den wilden Südwesten Europas. Zunächst standen Texte & Fotos in einem deutschsprachigen Portugalforum. Das fand so viel Anklang, dass die Idee entstand, die Geschichte(n) als Blog zu veröffentlichen. 2012 gab's "Kann denn Fado fade sein" als Buch bei Heyne, seit 2018 überarbeitet und ergänzt direkt bei amazon: um zu zeigen, wie es einer erging (und ergeht), die auszog, ihre neue Heimat zu erobern. Viel Spaß beim Lesen!
Eine der besten, gutfundierten Quellen, die ich kenne. Sachlich. Immer mit Belegen und Quellenangaben.
Es ist eine unfassbar lächerliche Show, die da gerade versucht wird. Live Ticker bei Al Jazeera, ständige Meldungen bei der Freedom Flotilla und Francesca Albanese... kannst'e dir nich ausdenken.
Denn es bekommt kaum jemand mit, weil die Israelis das Schiff einfach aufgebracht haben, während Europa - die wichtigste Zielgruppe – schläft. Die meisten werden dies lesen, wenn alles längst gelaufen ist.
▶️ Zur Einordnung ein paar nächtliche Worte. Zunächst zum Sprachgebrauch:
„Entern“ bedeutet, ein fremdes Schiff mit Gewalt einzunehmen. „Aufbringen“ bedeutet, das Kommando über ein Schiff zu übernehmen. Das kann mit Gewalt, aber auch ohne ablaufen.
Das Englische unterscheidet hier nicht, der Begriff lautet einfach „boarding“, was schlicht „an Bord gehen“ bedeutet.
Es ist also denkbar, dass jemand im Englischen oder Arabischen über das Englische von „boarding“ spricht, und irgendwer es als „entern“ übersetzt. Das ist aber nicht passiert.
▶️ Die Seeblockade
Es ist anzumerken, dass sich das Seekriegsrecht fundamental vom „normalen“ Kriegsvölkerrecht unterscheidet. Alleine schon dadurch, dass es ja das offene Meer gibt, das niemandem gehört
▶️ Israel und Ägypten (!) unterhalten seit Jahren eine Seeblockade gegen den Gazastreifen. Um den Schmuggel von Kriegsgerät zu unterbinden. Das hat also nix mit dem Gazakrieg zu tun.
2010 versuchten Schiffe der Freedom Flottilla, der gleichen Organisation wie heute, diese Seeblockade zu durchbrechen. Als die Schiffe aufgebracht werden sollten, griff die Besatzung der Mavi Marmara die israelischen Soldaten an. Neun Besatzungsmitglieder wurden getötet.
Ein Bericht des durch die UN dafür eingerichteten „Palmer Komitees“ kritisierte im Jahr darauf die israelische und die türkische Seite. Es kam jedoch zu dem Schluss, dass die Seeblockade rechtens ist.
Der Bericht liegt mir vor.
▶️ Nochmal: Ein Bericht der UN hat die Seeblockade als legal eingestuft.
Daher war völlig klar und von vielen angesagt, was mit Greta Thunbergs Schiff passieren würde: Israel würde das Schiff abfangen und entweder freiwillig zum israelischen Hafen Ashdod geleiten, oder es aufbringen und dorthin fahren.
Genau das ist um ziemlich genau 02:00h Ortszeit passiert. Inzwischen liegt das Schiff vor Anker. Die Crew hat bis zum Schluss versucht, dramatische Bilder und Meldungen zu produzieren.
Sie haben sich Schwimmwesten angezogen und – ernsthaft – ihre Handys ins Wasser geworfen. Alles aufgenommen mit zwei Kameras und veröffentlicht durch die Freedom Flotilla.
Anschließend haben sie sich wohl von den Israelis festnehmen lassen.
Was u.a. Francesca Albanese und die Flotilla nun dazu benutzen dramatisch zu melden, sie hätten den Kontakt verloren. Was ja auch jetzt irgendwie nicht überraschend ist, denn erstens sind die Vögel festgenommen und zweitens haben sie soeben ihre Handys ins Mittelmeer geschmissen. Die Blitzgescheiten.
Nihad Awad vom Council on American-Islamic Relations (CAIR) sagte, das sei ein „eklatanter Akt internationaler Piraterie und Staatsterrorismus“ …äh, wenn dann waren das doch die Piraten, dachte ich. Geschenkt.
Weiterhin hat die Flotilla nun vorbereitete Videos der Besatzungsmitglieder veröffentlicht, die an ihre jeweilige Regierung appellieren. Jeder in einem eigenen Video.
„Wenn Sie dies hier sehen, wurden wir durch die israelische Besatzungstruppen abgefangen und entführt…“
Ja. Richtig. „Entführt“.
▶️ Was ich ganz persönlich als unfassbare, unverfrorene Unverschämtheit empfinde ist, dass der Begleittext aller Videos mit „SOS“ beginnt. „Safe Our Souls“ ist AUSSCHLIEßLICH der eindeutigen Lebensgefahr vorbehalten. Jeder würde zur Hilfe eilen, selbst wenn es der Feind wäre. Das zu missbrauchen ist für jeden Seemann ein völliger Tabubruch, ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich das abstößt.
Dummerweise hat Albanese schon veröffentlicht, dass niemand verletzt wurde.
Al Jazeera hat veröffentlich, es habe ein Video gesehen, in dem ein uniformierter Israeli der Besatzung trocken sagt „Wenn Sie humanitäre Hilfe in den Gazastreifen liefern möchten, können Sie das über den Hafen von Ashdod tun. Wir haben Kanäle und Verteilungszentren eingerichtet.“
Albanese habe al Jazeera daraufhin gesagt „Israel hat keine Autorität über Gaza. Das ist der Punkt. Israel muss die Belagerung beenden.“ Dabei hat die UN, die Organisation bei der sie selber Sonderberichterstatterin ist, festgestellt, dass die Seeblockade nichts mit der Situation an Land zu tun hat und dass sie legal ist.
Es kommt mir alles vor wie die digitale Variante davon, dass ein Demonstrant einen Polizisten angreift, sich dann widersetzt und laut „Polizeigewalt“ schreit, nur weil er festgenommen wird. Es wird auf Teufel komm raus versucht, Israel zu provozieren und etwas zu konstruieren, was den Hamas-Narrativen entspricht. Aber schön ungefährlich.
Daher habe ich beim Posting eines kurzen Videos des israelischen Außenministeriums auch laut gelacht. (03:25h MEZ)
„Alle Passagiere der »Selfie-Yacht« sind wohlauf und unverletzt. Sie wurden mit Sandwiches und Wasser versorgt. Die Show ist vorbei.“
Woraufhin der Juraprofessor Adil Haque von der Rutgers University meinte, das Ministerium sei gut beraten, keine Videos mit „Beleidigungen“ zu posten. „Verstöße gegen die persönliche Würde, insbesondere erniedrigende und entwürdigende Behandlung, sind ein Kriegsverbrechen.“
Ja. So habe ich auch geguckt.
Was? Die Überschrift ist Clickbait? Tja, die ist aber eigentlich ja von denen. 🤷♂️
Eigentlich wusste ich es ja vorher. Und dafür schlag ich mir die Nacht um die Ohren.
Aber irgendwie war es die Lachnummer wert.
Natürlich werden die Üblichen weiter versuchen einen Skandal zu konstruieren. Aber für die meisten Menschen haben sich da einige „Aktivisten“ enorm zum Hodenkobold gemacht.
Ich geh ausschlafen.
Ps.: Wenn jemand ein Handy braucht… Irgendwo vor Gaza liegen welche rum.<<

Sehr lesenswerter Artikel von Joey Hoffmann auf Facebook
>>ℹ️ „Aber Israel lässt ja keine Journalisten rein!“
In den Kommentaren begegnete mir gestern wieder das Argument, Israel würde ja keine Journalisten in den Gazastreifen lassen.
Das Argument ist ermüdend.
Zu meiner Freude (ehrlich) war der Kommentator konstruktiv und schrieb später: „hab's schon gegoogelt. Und feststellen müssen, dass es seit dem Vietnamkrieg wohl nahezu keinerlei ungehinderte Zugänge in Konfliktgebiete mehr gab. Muss sagen, dass mich das erstaunt und auch ein Stück weit entsetzt“ (sic)
Schon in der Antike hat das Militär darauf geachtet, welche Informationen nach außen dringen.
Ein Grund dafür wird von der Propaganda bezüglich Israel ausschließlich behauptet: Dass Israel die Deutungshoheit über die Informationen behalten will.
Das ist unbestreitbar richtig!
Doch das macht eben jede Kriegspartei. Oder glauben die Menschen tatsächlich, dass Journalisten sich ungehindert auf der russisch besetzten Krim oder auf ukrainischer Seite in den Kämpfen im Donbass bewegen können?
Ein naheliegenderer Grund ist, dass man vermeiden will, dass durch offene Medien Informationen an den Feind gelangen. In der Ukraine haben Nachrichtendienste aufgrund von Postings russischer Soldaten deren Standort ausgemacht, sie mit Artillerie beschossen und getötet.
Als Soldat im Häuserkampf würde ich ungerne einen Journalisten hinter mir haben, dessen Handy plötzlich klingelt oder der getrackt werden kann.
Mit Aufkommen der Massen- und Agenturmedien war der Höhepunkt der Vietnamkrieg. In dem die amerikanische Seite massiv PR betrieben hat. Überall rannten Journalisten herum. Und zum Schluss konnten die US-Amerikaner jeden Abend im Fernsehen sehen, wie Soldaten starben. Die PR ging nach hinten los. Denn man sah ja nur die eigenen sterben, der Vietcong ließ solche Bilder nicht zu.
Vor allem war jeder irgendwie in der ersten Reihe mit dabei, aber keiner wusste mehr, worum es eigentlich geht. (Die USA hatten übrigens nicht angegriffen. Ist irgendwie untergegangen.)
Daraus haben alle eine Lehre gezogen.
Nachdem der Druck der US-Medien immer größer wurde, haben die USA im Irakkrieg (Zweiter Golfkrieg 1991) dann den „Embedded Journalism“ zugelassen, den „eingebetteten Journalismus“.
Das bedeutet, ausgewählte Journalisten werden von Militärs begleitet. Und dürfen dann natürlich nur dahin, wo es erlaubt wird.
Das ist nicht nur das, was Israel macht. Sondern auch das, was die Hamas schon lange getan hat.
Wollte man als Journalist vor dem Gazakrieg aus dem Gazastreifen berichten, musste man zunächst in Ostjerusalem oder Ramallah vor einem Hamas-Anführer Kotau machen. Und man wurde kontrolliert.
Der Grenzübergang Rafah wurde erst Mitte 2024 durch Israel eingenommen. Vorher hatte Ägypten auch Ausländern den Zugang zum Gazastreifen verweigert. Allerdings hätte man sich für ein wenig Bakschisch schleusen lassen können, was aber keiner getan hat.
Und ein letzter Punkt wird gerne ignoriert:
Der Gazastreifen ist winzig. Kleiner als Schwedt/Oder, weit kleiner als Köln.
Zwar berichten die Medien gerne, dass hier oder da „Kampfzonen“ sind. Aber das entstammt lediglich den Warnungen der IDF, dass dort aktive Gefechte stattfinden. Der ganze Gazastreifen ist eine Kampfzone. Auch deutsche Artillerie könnte jeden Punkt im Gazastreifen treffen, ohne überhaupt in die Nähe der Grenze zu kommen.
Niemand, nicht einmal die USA im Vietnamkrieg, würden Journalisten da rein lassen.
Das weiß auch alles jeder in der Branche.
Die Medien motzen nur, weil sie an Bilder und Stories kommen wollen. Wie auch 1991 schon.
Und wenn wir uns auf diese Grundlagen einigen können, könnten wir darüber diskutieren, wie lang die Überlebenszeit eines nach unserem Verständnis freien Journalisten im Gazastreifen wohl wäre. Und ob seine Redaktion oder Agentur ihn dort überhaupt reinlassen würde.
Und erst dann wäre interessant darüber zu diskutieren, was Israel tut.
Bild 1: Der legendäre Walter Cronkite bei den Soldaten in Vietnam, 1968 
Bild 2: Westliche Journalisten werden von der US-Militärpolizei durchsucht, Bagdad 2003
Bild 3: Skizze, bei der ich den Gazastreifen möglichst in Relation in die Ukraine gesetzt habe.