Donnerstag, 10. August 2023

Eine ruhige Nacht, aber...

 UPDATE vom 10. August 2013

Eine ruhige Nacht - und ein frischer Morgen. Klarer blauer Himmel.

Seit etwa 9 Uhr hört man wieder das Geräusch von Helis und Löschflugzeugen. Das Feuer ist immer noch im Status "em resolução" - also "eingedämmt", aber bei weitem nicht unter Kontrolle oder gar gelöscht. Eben kam ein Riesending von Heli an der Casa Leone vorbei, ich dachte erst, das ist einer der Beobachtungshubschrauber, aber nix da: Er schleppte einen Wassersack Richtung Feuer. 

Es ist bei Bränden in solch großem Gebiet immer so, dass immer wieder Brandherde aufflammen - der Fokus der Feuerwehr liegt momentan immer noch darauf, dass das Feuer sich nicht weiter ausbreitet, vor allem nicht in Richtung der Serra de Monchique - das wäre unwegsames Gelände, in dem ein Brand nur sehr schwer zu kontrollieren ist. Knapp 20 schwere Maschinen sind im Einsatz, um Brandschneisen freizumachen; die momentan 8 Löschflugzeuge/Helis sollen wohl nicht nur akute Flammen löschen, sondern regelrecht einen "nassen Ring" um die derzeitigen Feuerfronten legen, um die Flammen von weiterer Ausbreitung abzuhalten. 


Fotos von Márcio Regino auf Facebook
 
  
 
 

Bei uns hier am Picota ist kein Rauch zu sehen, der Himmel ist nach wie vor in alle Richtungen klar. Möge es so bleiben!

Mittwoch, 9. August 2023

JUHU.

 UPDATE von 10:30:

Das Feuer ist "em resolução" - also eingedämmt. Gefahr nicht völlig gebannt, aber schon ... eine RIESENERLEICHTERUNG.



Im Einsatz sind momentan (11:15) 
  • 1108 Feuerwehrleute mit 
  • 367 Fahrzeugen und 
  • 15 Löschflugzeuge/Helikopter.
Wer sich fürs Technische interessiert: 2 leichte Hubschrauber, 1 schwerer Hubschrauber - Kamov, 8 mittlere Amphibienflugzeuge - Fireboss, 2 schwere Amphibienflugzeuge - Canadair, 1 Aufklärungs- und Bewertungsflugzeug und 1 Koordinierungshubschrauber

Die Nacht war kurz.

 Denn so richtig schlafen war nicht wirklich drin. 

Update vom 9.9.2023, ca 9 Uhr

Das Feuer hatte gestern 3 Fronten, eine scheint unter Kontrolle oder sogar gelöscht zu sein. Der Zivilschutz hält momentan die eine der beiden anderen Feuerlinien für am gefährlichsten, die gegen Aljezur geht - die andere geht nach wie vor Richtung Monchique. Die nächsten Stunden werden entscheidend sein.

Die Nacht war ruhig, bei mir oben auch kaum Wind, jetzt ist es windstill. Himmel bleigrau und es riecht nach Rauch, man sieht aber keinen - genauso wenig wie man nachts Richtung Foia und Nordwesten Feuerschein gesehen hat. Es war wohl auch ziemlich feucht, was uns entgegenkommt.

Im Moment im Einsatz: 

1094 bombeiros mit 367 Fahrzeugen und 11 Löschflugzeuge/Helis. Geräuschkulisse wie gestern - nicht sehr nah dran, aber deutlich hörbar. 

Ich bin den Mitgliedern "meiner" Facebookgruppen so dankbar: Hab jetzt 4 Übernachtungsangebote, hoffe aber natürlich, dass ich sie nicht in Anspruch nehmen muss. 



Dienstag, 8. August 2023

Kommt das Feuer oder nicht? Das Warten ist das Schlimmste.

 So, liebe Leut':

Die nächsten 24 Stunden entscheiden, ob ich wieder mal die Casa Leone verlassen muss, weil ein Feuer droht. Der Brand in Odemira breitet und breitet sich aus, und wir haben noch Glück im Unglück, weil der Wind für uns ganz günstig steht. Heut Nacht aber soll es wieder zu Nord bzw Nordwest-Wind kommen - und das würde die Flammen direkt auf die Serra und das Städtchen Monchique zutreiben. 


Nasa-Bild - eingekreist Monchique


Sat-Bild von gestern Abend: Rauch wird vom Wind aufs Meer getrieben.

Im Landkreis Odemira sind bereits knapp 1.500 Leute evakuiert worden, hier bereitet man sich ebenfalls vor. 

Glücklicherweise hab ich diesmal mitgedacht bzw. aus der Erfahrung vom letzten Mal gelernt, und bei Marga im Hundehotel angefragt, ob Madame Bela und Senhor Sancho kommen können. "Will squeeze them in if there is an emergency!" war ihre Antwort, und dass sie natürlich Daumen hält, dass es gar nicht nötig sein wird. Es ist eine Riesenerleichterung, die beiden Vierbeiner versorgt zu wissen. Für mich alleine findet sich bestimmt irgendwo ein Bettchen...

Notfalltasche und alle elektronischen Sachen, Powerbank etc. sind gepackt und stehen griffbereit im Flur. Reisetasche mit Klamotten mach ich nachher oder morgen früh; eben war ich noch schnell unten an der Tankstelle, Auto vollfüllen. Geparkt in Fluchtrichtung, man kennt das ja schon. 

Bleibt mir nur zu hoffen und euch zu  bitten: Daumen halten! 

Danke im Voraus.

Montag, 7. August 2023

Und schon geht's wieder los....

 Seit vorgestern Mittag brennt es bei Odeceixe - und gestern sah es nachmittags am Himmel bei uns so aus:  




Der Wind kam genau aus der "falschen" Richtung und ich habe wieder mal meine Notfalltasche aktualisiert. Glücklicherweise bläst es seit heute Nacht aus Süd-Südwest, also weg von uns. Halleluja.

Sonntag, 6. August 2023

Vor 5 Jahren: das große Feuer in Monchique

Kaum zu glauben, dass das schon so lange her ist. Denn: Im Kopf ist's immer noch präsent. Vor allem in diesen Tagen, wenn wir maximales Brandrisiko haben, wenn man den Rauch von einem Feuer riecht, das etwa 50 Kilometer entfernt ausgebrochen ist, in Odemira nämlich. Genau dem Landkreis, von dem es auch damals angefangen hat. 

In der vergangenen Woche hatten wir starken Wind aus Norden - und so kamen wir sogar an der Algarveküste in den "Genuss", den Rauch des immer noch tobenden Großfeuers im Bezirk Castelo Branco zu riechen: eine Entfernung von ca 400 Kilometern.

Damals ist alles gut gegangen. Selbst wenn ich zweimal evakuiert wurde. Das erste Mal fand ich Unterschlupf bei meinen Vermietern. Dort mussten wir einen Tag später ebenfalls weg: Der Wind hatte gedreht und trieb die Flammen auf Casais zu. Glücklicherweise fiel mir ein, wo ich die beiden Hunde unterbringen konnte - denn Anfang August, absolute Hauptsaison in Portugal, konnte man ein Hotelzimmer vor allem mit den Vierbeinern absolut vergessen. 

Aber wie gesagt: Die Erinnerung bleibt. Und die Dankbarkeit, dass das Feuer zwischen den beiden Häusern - der Casa Castanheiro und meiner Casa Leone - "durchgerast" ist, etwa 1 Meter vom hölzernen Dachstuhl entfernt. Alles rundherum ist grün geblieben. 

Der Himmel am Tag vorher: 

  

Einen Tag später hatte ich gepackt - teilweise ganz unsinnige Dinge, was man eben so greifen kann. Aber was will man einpacken, im Hochsommer, wenn man nicht weiß, ob nicht alles einfach "weg" ist, wenn das Feuer kommt... Mittlerweile gibt's die Notfalltasche griffbereit im Hausflur: Dokumente, Klamotten für 1-2 Tage. Medikamente. Laptoptasche samt Powerbank und Ladekabeln ist immer griffbereit. Es kann so so schnell gehen. Ich kenne Leute, die mit Handtasche, in Shorts und T-Shirt und mit Flipflops an den Füßen gerade noch so davongekommen sind. Alles andere: verbrannt. Einfach weg. 

Fünf Tage nach der Evakuierung kehrte ich wieder nach Hause zurück. Ich war ständig in Kontakt gewesen - dank Facebook! - mit Vermietern und Nachbarn und wusste also schon: Das Haus steht und ist unversehrt. Der Anfahrtsweg allerdings... was sag ich: Die ganze Anfahrtsstrecke war verbrannte, schwarze Mondlandschaft. 

 
 

  
 

Die unversehrte Einfahrt zur Casa Leone:

Zwei Videos machen das ganze Ausmaß vielleicht noch deutlicher:

Der größte Flächenbrand in Europa im Jahr 2018.
28.000 Hektar sind innerhalb einer Woche verbrannt.

Aber es gibt auch Gutes zu berichten: über die ungeheure Hilfsbereitschaft teils wildfremder Menschen. Dass sich z.B. die Hundehotelbesitzerin weigerte, Geld anzunehmen und lieber sagte: "Spende das an Leute, die Haus und Heim verloren haben. Oder ans Tierheim in Monchique!" Dass sich völlig unbekannte Gruppenmitglieder bei mir meldeten und ein Bett anboten: "Und die Hunde bringen Sie mit, kein Problem!" 
Oder dass über eine Facebookfreundin eine spontane Hilfsaktion entstand - bei der innerhalb weniger Tage und Wochen aus privater Hand von Mitgliedern "meiner" beiden Facebook-Gruppen über 20.000 Euro gesammelt wurden - als Hilfe für Monchique. Zusätzlich zu unzähligen Sachspenden, mit denen sowohl Monchiquenses wie "Zugezogene" tatkräftige Hilfe erhielten. 

Das zeigte und zeigt mir immer wieder:
In der Not halten die Leute zusammen. Kratzen selbst den letzten Euro aus der Tasche, um zu helfen. Auch unseren Bombeiros, die Freiwillige sind, die für einen Hungerlohn Tag und Nacht und bis zur Erschöpfung schuften.
Ich selbst bin seither Mitglied bei den "Alertas", einer Facebook-Gruppe und einem gemeinnützigen Verein, der nach den Großbränden im Jahr 2016 gegründet wurde und der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Feuerwehrleute zu unterstützen und die lokale Gemeinschaft, die in den Regionen Algarve und im südlichen Alentejo in Portugal lebt und arbeitet, mit Informationen zu versorgen. Von spätestens Mai bis manchmal weit in den Oktober hinein sind wir von 8 bis 22 Uhr in jeweils 2-Stunden-Schichten am Rechner, um unsere Mitglieder mit Infos zu versorgen. Meine Art, Danke zu sagen und der Gemeinschaft etwas zurückzugeben.

Im Hintergrund läuft aber viel mehr:
Während der Feuersaison kommt es in den Feuerwachen regelmäßig zu einem Mangel an lebensnotwendigen Gütern wie Nahrungsmitteln und Getränken, aber auch an medizinischen Hilfsgütern und sogar an trockenen Socken. Die engagierten Freiwilligen der "Alertas" arbeiten während der gesamten Brandsaison unermüdlich daran, sicherzustellen, dass die tapferen Bombeiros mit dem Nötigsten versorgt werden. Es gibt Evakuierungspläne für Mensch und Tier, "meine" Hundepension beispielsweise hat 2018 beim großen Feuer Pferden Unterkunft bieten können. Und selbstverständlich steht auch mein Gästezimmer auf der Liste.

Wenn es die Zeit und die Mittel zulassen, werden größere Anschaffungen getätigt, wie zum Beispiel neue Uniformen als Ersatz für die im Dienst beschädigten Kleidungsstücke, PSA während der COVID-19-Krise und sogar ein Defibrillator, um den Bombeiros und den Gemeinden, denen sie dienen, zu helfen. Ihnen allen ist das Dankeschön der bombeiros sicher. 
Kein Wunder, dass die Gründerin Debby Burton 2019 von Ihrer Majestät Königin Elizabeth II. die British Empire Medal in Anerkennung ihrer Leistungen bei der Unterstützung der lokalen und im Ausland lebenden Gemeinschaften an der Algarve verliehen bekommen hat.

Wer etwas spenden will - denn es ist immer noch und immer wieder nötig: Klickt aufs Foto. 

Samstag, 5. August 2023

Senhor Sancho allein daheim. Gaaaaaanz allein. Tag 88

Es musste sein - aber es war ein Kampf. 

Madame Bela hatte heute Termin für ihre zweite Librela-Spritze. Nach der ersten Injektion ging es ihr ja schon am Folgetag deutlich besser. Nun waren die 4 Wochen vorüber und ich meinte, wieder ein leichtes Humpeln zu sehen. Madame gehört ja, wie Dra Ana Silva meint, zu jenen schwierigen Hunden, die bei Schmerzen keinen Mucks tun - und so kann man nur schwer erkennen: Tut ihr was weh oder nicht?

Das Drama nahm seinen Lauf, als Frauchen Senhor Sancho zu erklären versuchte, dass er ja nun schon ein großer Hund sei, der seit knapp drei Monaten in der Casa Leone verweile; dass er also wisse, dass sie stets wiederkehre; dass er außerdem die Generalprobe in der vergangenen Woche bestens gemeistert hätte und es nun an der Zeit sei, dass Seine Hoheit mal 30 Minütchen ohne Frauchen und - oh Graus! - auch ohne Madame Bela an seiner Seite das Haus hüten solle. 

Alle Fenster geschlossen, die Türe zum Flur ebenfalls - dieselben Rahmenbedingungen wie vergangenen Samstag. Allerdings, dem Zeitpunkt des Arztbesuchs geschuldet - vorher keine ermüdenden Apportierspiele. Sogar ein großer Kauknochen wurde dem Senhor gereicht, den er durchaus begeistert, allerdings dennoch mit misstrauischer Miene annahm.
Dann gab's die Order "senta e fica!" - und Seine Hoheit schaffte es doch tatsächlich 2 Sekunden, diesem Befehl zu folgen. Er witterte Ungemach bzw. ahnte Schreckliches: Frauchen und Madame Bela wollten doch nicht etwa ohne ihn...? Doch: Sie wollten und sie taten es auch. Unter heftigem Protest von Senhor Sancho, selbstverständlich. 

Madame Bela war ins Auto gestiegen, Frauchen öffnete das Tulpentor - und dies unter gar furchtbarem Geheule und Gekläffe Seiner Hoheit. Er klagte der ganzen Welt sein Leid, bis das Auto durchs zweite Tor und damit außer Hörweite gefahren war. Madame war's egal, sie freute sich eher, endlich mal ohne Senhor Sancho unterwegs und mit Frauchen allein zu sein. Selbst wenn es zum Tierarzt ging (wobei sie Dra. Ana Silva durchaus schätzt).
Unruhe und Sorgen und Mitleid waren eher meine Begleiter. Plus die Hoffnung, dass wir in der Praxis gleich drankämen und die Casa Leone bei Rückkehr noch stünde und nicht komplett zerlegt wäre...

Alles klappte wie am Schnürchen:
Parkplatz direkt vorm Haus der Arztpraxis, Madame ging beinahe mustergültig an der Leine hinein, zeigte einem anwesenden Jungtier, wie man sich im Wartebereich ordentlich verhält, indem sie artig Platz nahm.
Dann kam auch schon Dra. Ana. Das erste Mal, seit wir dort Kunden sind, schritt Madame Bela geradezu freudig ins Sprechzimmer, zog Frauchen fast hinter sich her. Das vor der Behandlung angebotene Leckerli allerdings verschmähte sie, wohl wissend, dass so etwas nachher einfach besser mundet.
Spritze bekommen, sich kurz von Dra Ana beschmusen lassen und schon waren wir wieder auf dem Rückweg. Halt: Natürlich gab's noch ein Leckerli extra für den Senhor, Dra. Ana weiß genau, was sie Seiner Hoheit schuldig ist, was ihm gebührt und zusteht.

Wir waren genau 28 Minuten außer Haus gewesen.
Beim Heranfahren: Totenstille.
Schließen des Haupttors: Totenstille.
Öffnen und wieder Schließen des Tulpentors: Senhor Sancho merkt, dass draußen was passiert und bellt sicherheitshalber.
Madame Bela betritt das Haus.
Frauchen öffnet die Türe zum Wohnzimmer und wird von einem hündischen Wirbelwind empfangen, der allerdings durchaus Zeit hat, das mitgebrachte Leckerli einzuatmen, bevor er weiterhin Freudentänze aufführt. 
In Küche, Essbereich und Wohnzimmer sind auf den ersten, zweiten und auch dritten Blick keinerlei Verwüstungen zu erkennen. Der Riesenkauknochen liegt dekorativ mitten in der Küche. Praktisch unangetastet. 

Nach der Fütterung der Raubtiere stelle ich allerdings fest: Senhor Sancho hatte versucht, sowohl die Fensterbank in der Küche wie auch die beiden im Wohnzimmer zu erklimmen. Jedoch ohne Schäden zu verursachen - außer dass ein paar Papiere und eine Taschenlampe zu Boden gefallen waren. Weiter Alleinsein-Üben ist also angesagt.

 

Jetzt liegen Madame Bela und Senhor Sancho vollgefressen zur Siesta im Schatten bzw. im Haus. Seine Hoheit rückt keinen Meter aus Frauchens Nähe. Und ich geh jetzt schnell noch in den Pool, bevor es noch heißer wird. 



Mittwoch, 2. August 2023

Das wäre was für Senhor Sancho!

Live Cam von Bären, die Lachse fischen. 
Das würde Seiner Hoheit gefallen!
Viel besser als der Plastikhai, den der Senhor aus dem Pool angelt.

Sonntag, 30. Juli 2023

Senhor Sancho (fast) allein zu Haus. Tag 82

Seine Hoheit jammert und weint, wenn Frauchen das Haus verlässt. Unter anderem deshalb kommt unsere "Perle" Fátima zum Arbeiten, wenn aushäusige Termine für Frauchen unumgänglich sind. Normalerweise darf Senhor Sancho ja mit. Jetzt im Sommer ist's aber zu heiß, als dass er einfach im Auto warten kann. Und irgendwann muss das Tier sich dran gewöhnen, allein daheim zu bleiben. Ganz allein wie Kevin in New York ist er ja eh nicht - Madame Bela weilt an seiner Seite. 

Es begab sich, dass gute Freunde wieder mal ins Luar da Foia wollten, und da ist Seine Hoheit leider nicht erwünscht: "Keine Hunde im Lokal", lautet die Vorschrift. Für den Senhor zwar ab-so-lut nicht nachvollziehbar, aber er hoffte natürlich, wenigstens im Auto verweilen zu dürfen, mit einem großen Kauknochen versehen. Aber: nix da. Es war auch abends immer noch zu heiß... Also war gestern Abend Premiere: Senhor Sancho allein daheim!

Aber der Reihe nach:
Ich hatte ja den Plan gefasst, mal zu checken, wie Senhor Sancho sich verhält, wenn ihm völlig Fremde sich dem Tulpentor nähern, dies öffnen und sein Königreich betreten.
Ilo und Andreas kamen an, eilfertig-wachsam lief Seine Hoheit zum Tor. Bellte kurz, stellte sich auf die Hinterbeine und ließ sich schon von außen durchs Torgestänge streicheln. Völlig problemlos mit Ilo, bei Andreas war er etwas zurückhaltender, aber der - "kein Hundemensch", hahaha - ging auf Knie-  bzw. Schnauzenhöhe und gewann damit im Handumdrehen das Herz Seiner Hoheit. Leckerlis folgten (der Senhor mag's, wenn Frauchens Gäste ihm Geschenke anreichen) und danach durfte er noch ausgiebig seinen neuen Ball apportieren.
Diese Übungen dienten selbstverständlich dem hinterhältigen Zweck, Seine Hoheit leicht zu ermüden und so den Abgang von Frauchen samt Freunden ins abendliche Restaurant in den Hintergrund rücken zu lassen. Und es klappte: Gar nicht mal so intensiv bemühte sich der Senhor, zwischen sechs Beinen Richtung Haustüre zu wuseln - ohne Erfolg. Ein großer Büffelhautknochen lenkte ihn außerdem ab. 

Wichtige Gerätschaften wie Fernbedienung, Brille und Flipflops waren außer der Reichweite Seiner Hoheit verstaut. Auch sein Bewegungsradius war eingeschränkt: Die Türe zum Flur und damit zum Ankleidezimmer samt Lederschuhen wurde geschlossen. Blieben also "nur" noch Wohn- und Schlafzimmer sowie Küche und Essplatz für den Senhor und Madame "übrig". Für etwa drei Stunden sollte das ausreichend sein. 

Ilo, Andreas und ich genossen den Abend im Luar da Foia wie immer sehr:


Und erst recht den Sonnenuntergang von "unserem" Tisch auf der Terrasse:

Nachdem das Luar seit Neuestem "2 Sittings" macht - einmal 19-21 Uhr, danach die "Spätschicht" ab 21 Uhr - war ich pünktlich gegen 21.30 wieder daheim. Stille aufm Hof - erst als ich das Tulpentor öffnete, realisierte Senor Sancho lautstark, dass sein Frauchen wieder heimkam. 

Frauchen hatte ja so etwas befürchtet:


Aber: nix da! Alles in Ordnung. Keine Schäden an Möbeln, Teppich, Büchern oder so. Nichts angekaut - Madame und Senhor scheinen geschlafen zu haben. Der riesige Knauknochen war - klaro! - verschwunden.
Die Freude war natürlich groß - und Seine Hoheit hatte völlig vergessen, dass Hochspringen eigentlich untersagt ist...

PS: Heute morgen stellte ich allerdings fest, dass der Senhor wohl versucht hat, auf die Fensterbank neben der Haustüre zu gelangen. Ein paar Bedienungsanleitungen, die da liegen, fand ich nämlich auf dem Boden vor. Damit kann ich aber leben... und es mag auch daran gelegen haben, dass der Nachbar samstags kurz vor Einbruch Seiner Hoheit Reich betritt, um das Wasser umzustellen. Ihr wisst ja: Wasserrecht auf dem Lande in Portugal

Freitag, 28. Juli 2023

Senhor Sancho greift an. Tag 80 oder so.

Auf dem Lande ist's ja so, dass man für Wasserzugang und dem Stromversorger (in meinem Fall der EDP) Zutritt zum Grundstück zu gewähren hat. Dennoch werden Grundstücksgrenze und Privatsphäre peinlich genau respektiert: Kein EDP-Angestellter würde "einfach so" aufs Grundstück kommen; selbst meine Vermieter melden sich an, wenn sie beispielsweise wegen der mehreren Nachbarn gemeinsam gehörenden Quelle bei mir "durch" müssen. Oder auch, wenn sie zum Avocado-Ernten kommen möchten.
Kein Ding.
Die portugiesischen Nachbarn fragen sowieso - oft schon vom äußeren Tor rufend -, ob sie mal eben hoch zur Quelle dürften, wenn die Wildschweinerei wieder mal für verminderten Wasserzufluss gesorgt hat. Und auch das ist selbstverständlich: kein Ding. 

Unser alter Gärtner Zé Branco ist vor einigen Wochen verstorben. Er fragte seit Jahren nicht mehr groß an, aber man kannte und mochte sich. Außerdem fand Zé Branco Seine Hoheit ganz bezaubernd (wie auch nicht!?). Zé Brancos Nachfolger ist der junge Vidigal, der sich zunächst ordentlich bei Frauchen vorstellte und der nun ebenfalls Zutritt hat. Und der wird ihm vom Senhor gewährt, selbst wenn erst kurz gebellt wird. Seinen Meldepflichten kommt Seine Hoheit natürlich immer nach. Lässt sich danach aber problemlos abrufen und kommt ins Haus oder wo immer sich Frauchen gerade aufhält.

Keiner hatte bis dato also Probleme mit Senhor Sancho, obwohl er alle erst einmal bellend anmeldet. Wird er aber von Frauchen aufgefordert, die Bellerei zu lassen, kommt er schwanzwedelnd näher und akzeptiert: "Okay, den muss ich nimmer verbellen, der darf rein."
Dasselbe Spiel übrigens genauso 
vor ein paar Tagen, als der große tanque (das Sammelbecken für unser und der Nachbarn Quellwasser) gereinigt wurde. Da waren drei dem Senhor zunächst fremde Leute zugange. Ich hatte die Hunde zwar ins Haus geholt, weil ich mir Schöneres vorstellen kann als acht Pfoten, die mit nassem, schwarzen Schlamm und Algen zugange sind. Aber natürlich wussten Madame Bela und Senhor Sancho, was draußen los war.

In der vergangenen Woche jedoch wurde Senhor Sancho bezichtigt, dass er einen Menschen, der sein Reich ohne gebührende Anmeldung betreten hatte, nicht nur verbellt, sondern regelrecht angefallen hätte. Obwohl die Freigabe durch Frauchen erteilt war und Senhor Sancho den Betreffenden bereits kannte.
Ich konnte es mir zwar nicht recht vorstellen, denn ich war immer daheim gewesen und hätte da etwas mitkriegen müssen. Aber als meine Vermieterin und die neu zugezogene Nachbarin dasselbe berichteten (immer bezogen auf den oben erwähnten Einzelfall), bat ich zum nachbarlichen Gespräch. 

Es stellte sich heraus: Seine Hoheit hatte gebellt und sogar geknurrt (nicht ganz nachvollziehbar, weil Mensch und Hund sich schon begegnet waren). Senhor Sancho soll auch immer näher herangerückt sein - und da wurde ein Gegenstand (welcher Art ist unbekannt) nach ihm geworfen. Wohl auch getroffen, denn der Senhor hätte danach den Abgang angetreten. 
Von dieser Majestätsbeleidigung mal ganz abgesehen: Das geht gar nicht. Selbst wenn meine Vierbeiner im Bett pennen dürfen: Sowohl Madame Belas wie Senhor Sanchos Job ist's, Haus und Hof zu verteidigen und entsprechend zu melden, wenn jemand das Gelände "einfach so" betritt. Madame ist ja bekanntlich eher eine Schisserin und verzieht sich schnell ins Haus und ihren Korb, wenn dann wirklich jemand näher tritt. Senhor Sancho hingegen kommt seinen Pflichten nach, hält die Stellung bzw. rennt dem Eindringling bellend nach. 

Während des Gesprächs übrigens lag das Untier völlig entspannt neben mir auf der Gartencouch, später zu meinen Füßen. Ich bat darum, dass der Senhor gerufen werden solle, um eine Versöhnung herbeizuführen. Leider vergeblich (das allerdings ist bezeichnend!): Seine Hoheit blieb stocksteif bei mir stehen, wedelte nicht mit dem Schwanz und zeigte sich ausgesprochen unwillig. Zwingen wollte ich ihn nicht... 

Aber ich fasste einen Plan: Ein paar Tage später hatten sich nämlich Freunde zu Besuch angesagt - sie wollen vor einem gemeinsamen schönen Abendessen im Luar da Foia den Senhor kennenlernen. Mal schauen, wie sich Seine Hoheit benimmt, wenn völlig Fremde sein Königreich betreten...

Senhor Sancho kann wirklich  kein Wässer trüben.