Freitag, 13. September 2024

Über die Unergründlichkeiten, was in Portugal was wann und wie viel kostet.

Kostet's was oder doch nicht? 

Bei mir steht in diesem Jahr die altersbedingte Verlängerung des portugiesischen Führerscheins an. Meine deutsch-preussischen Gene sorgen dafür, dass ich so etwas nicht auf den letzten Drücker in Angriff nehme, sondern mit viiiiel zeitlichem Spielraum zum final möglichen Datum (nämlich mein Geburtstag am 23.12.).

Anfang September hatte ich schon mal einen Termin beim Optiker ausgemacht. Dort kann man bei uns in Monchique nämlich für 30€ alle zwei, drei Wochen einen Augenarzt antreffen, der die nötigen Untersuchungen/Tests durchführt und auch das entsprechende Zertifikat fürs Centro de Saúde ausstellt, auf dass der dortige médico diese und die Daten seiner eigenen Untersuchung direkt ans IMT übermittelt.

Termin war heute um 9.30, Wartezeit: 1 Minute. Der Augendoc kam gleichzeitig mit mir an und musste erst in seinen weißen Arztkittel anziehen 😉

Test und Untersuchung verliefen erfolgreich. Auf beiden Augen gleichzeitig Sehkraft von 100%, lediglich das linke Auge sollte ich mal wieder checken lassen; der Doc meinte, da könnte sich ein Nachstar gebildet haben - nicht ungewöhnlich nach einer Katarakt-OP, wie ich sie vor einigen Jahren hatte.

Draußen bekam ich das schriftliche Zertifikat in die Hand gedrückt, mit Unterschrift und Stempel. Und das war's. 

Ich schritt zur Kasse, um zu zahlen. Aber man bzw frau wollte kein Geld. Obwohl direkt an der Kasse die Preistafel stand, auf der zu lesen war/ist: "Teste e certificado para a carta de condução - 30€".

Begründung: "Ach, Sie sind doch Kundin bei uns. Da kostet das nichts!"

Okay, ich hab bei denen ein paar Mal Brillengläser einpassen lassen. Aber ...

Hat mich jedenfalls sehr gefreut und macht damit den heutigen Freitag den Dreizehnten zu einem offiziellen Glückstag!

Donnerstag, 12. September 2024

Senhor Sancho baut vor

So - Winter kann kommen. Aber bitte noch nicht so bald! Heute sind es angenehme Mitt-Zwanzig-Grad in Monchique.

Kluge Frau und kluger Hund bauen jedoch vor. 😉

Senhor Sancho überwachte heute seine erste Holzlieferung in der Casa Leone. Ein sehr seltener Fall trat ein: Er war mit dem Holzlieferanten im Prinzip einverstanden, wartete auch artig, bis das Fahrzeug richtig vor dem Holzschuppen geparkt war und begrüßte den Ablader vorsichtig, aber durchaus freundlich. 

Allerdings war Seine Hoheit strikt dagegen, dass dieser Mensch in SEINEM Hoheitsgebiet Veränderungen vornahm: Da wurde Holz umgeschichtet und neues hinzugefügt, da wurden Kiefernzapfen verlagert... all das erregte des Senhors Unmut, den er mit lautem Bellen äußerte. Er war nur mit einem Leckerli innerhalb des Hauses zu beruhigen.

Glücklicherweise war das Abladen und Stapeln von einer Tonne Kaminholz (250 Kilo Medronho zum Anfeuern, 750 Kilo Korkeiche zum gemütlich Warmhalten) in einer knappen Dreiviertelstunde erledigt. 

Ich ließ den Lieferanten vom Hof und Senhor Sancho überprüfte in der Zwischenzeit akribisch, ob im Holzschuppen alles ordentlich hinterlassen wurde. Glücklicherweise war/ist alles okay... 

 


 

Freitag, 6. September 2024

Gärtner und ich - a never ending Story... Teil 2

Das zweite, ungleich größere Problem 

Das war der Dschungel auf der rechten Seite der unteren Gartenterrasse. Ich war da bisher selten unten, weil ohne die Stufen war's mir immer ein wenig wackelig zumute. 
Nun aber ging ich nach unten - und es traf mich wirklich der Schlag: Da war seit mindestens eineinhalb Jahren nix, aber auch gar nix geschnitten worden. Die liebe Lisa, meine Ex-Nachbarin, kommt ja öfters zum Ernten und hatte schon erwähnt, dass da kaum mehr ein Durchkommen sei. Der Guavenbaum hatte neben einer weiteren Glyzinie praktisch die Macht übernommen und fing an, die Zitrusbäume zu ersticken... 

Mir war klar:
Da muss jemand ran, der mit Maschinen arbeitet. Über Google wurde ich glücklicherweise fündig und entdeckte eine neue, kleine Firma (AlgarveManualServices), sogar aus unserem concelho in Monchique.
Kontaktaufnahme via WhatsApp, Rückruf innerhalb von einer Stunde. 
Besichtigungstermin in der Folgewoche und nun waren sie am vergangenen Mittwoch da: Carlos und Frank, zwei sympathische Portugiesen, die aber perfekt Englisch sprechen, mit einem regelrechten Maschinenpark anrückten und schon mal die erste Hälfte der Terrasse freimachten. 

Der Chef ist Carlos, und er hatte schon beim Vorgespräch empfohlen:
Gartenabschnitt nicht verbrennen, sondern kleinschneiden und als Dünger/Schutz um die Bäume legen. Das geht in diesem Fall gut, weil da kein Bewässerungssystem verläuft. Auch die Hochbeete (auf der rechten Seite im Foto) sind wieder frei - mal sehen, ob ich da vielleicht wieder Lavendel pflanzen lasse. Das war da nämlich mal, sah nicht nur schön aus, sondern war ein Bienen- und Schmetterlingsparadies. Zu den einzelen Bäumen schlängelt sich ein freigeräumter Weg, der künftig lediglich ein paar Mal im Jahr mit der Motorsense gemäht werden muss.




Der Preis ist übrigens ok - die Jungs arbeiten momentan zwei Schichten am Tag: morgens und spätnachmittags je 3 Stunden "Maschinenlaufzeit", was aber heißt, dass sie effektiv mit Vorbereiten und Nacharbeiten sowie in meinem Fall Aufräumen der Schnittreste knapp 4 Stunden da sind. Ich freu mich schon aufs nächste Mal!

Der Senhor übrigens kann mit allen Gärtnern bestens: Vidigal kannte er ja schon, er hat aber auch Carlos und Frank bereits in sein Herz geschlossen. 

Zweiter kleiner Wermutstropfen: Senhor Sancho ist der Meinung, dass seine Hilfe unbedingt vonnöten ist. Und das sieht dann so aus: 


Falsche Stelle, Senhor Sancho!!

Gärtner und ich - a never ending Story... Teil 1

Einerseits: Es ist ja normal, dass sich im Laufe des Lebens Dinge verändern. Andererseits hab ich manchmal schon den Eindruck, dass Gärtner und ich eine so ganz besondere Beziehung haben. 

Mittlerweile sind es im Laufe der 13 Jahre, die ich jetzt in Monchique am Picota wohne, vier bzw. fünf Herren bzw. Unternehmen, die sich die Ehre gaben. 
Gekündigt habe ich aktiv nur einem; bei einem anderen war irgendwann für die doch relativ wenige Arbeit (2x monatlich je 4 Stunden) die Anfahrt zu weit bzw. die Kosten zu hoch (obwohl das wirklich der allerbeste war! Immer wieder Danke an Georg Schmidt). 

Es waren krankheitsbedingte Ausfälle zu beklagen bzw. Ersatzleute am Werkeln, die entweder keine "echten" Gärtner waren (wobei ich nichts gegen Seiteneinsteiger habe. Ich beschäftige jedoch einen Gärtner, weil ich keine Ahnung habe und jemanden brauche, der weiß, was wann und wie zu tun ist.) Oder sie taten halt so gar nicht das, wofür sie bezahlt wurden.

Kürzlich war es leider wieder mal soweit.
Es hatte sich allerdings schon vor etlichen Wochen der ehemalige Gärtner/Landarbeiter meiner Vermieter bei mir gemeldet: Er wäre jetzt wieder verfügbar. Denn meine Vermieter hatten beschlossen, den riesigen Gemüsegarten direkt neben meinem Haus in diesem Jahr nicht mehr bestellen zu lassen. Und so war schnell und kurzum und sozusagen schmerzlos Ersatz gefunden.
Einziger kleiner Wermutstropfen: Vidigal arbeitet per Hand, bringt also keinen Maschinenpark mit (außer einem Rasentrimmer oder wie dieses Gerät heißt). Das wird aber durch vier wichtige Dinge komplett ausgeglichen:
  • Vidigal trödelt nicht rum, sondern packt richtig an.
  • Vidigal darf alle Gerätschaften meiner Vermieter mitbenutzen, weil man sich kennt und einander vertraut. 
  • Vidigal nimmt einen Stundenlohn, der mehr als okay ist (und letzten Endes bei mehr Stunden weniger ausmacht als bei den "alten" Gärtnern).
  • Vidigal weiß, was er tut. 
Denn Vidigal lebt selbst von/in der Landwirtschaft, kümmert sich um eigenen Grund und Boden und hat einfach Freude daran, Bäume und Sträucher so zu stutzen und zu beschneiden, dass sie schöner blühen und mehr Früchte tragen als unbeschnitten.

Seit erster Job: 
meine Terrasse direkt am Haus. Da hatte die Glyzinie beschlossen, die Weltherrschaft anzustreben. Sie war zwar im Mai heftigst beschnitten worden:



Aber schon ein paar Wochen später saß ich bei einem unserer Monchique-Terrassentreffs mit guten Freunden unter einem zwar Schatten spendenden, aber irgendwie dschungelartigen Gewächs...
Das ist jetzt nicht mehr so - und bei der Gelegenheit wurden gleich die Hecken rund um den Sitzpatz im grünen Sommerwohnzimmer "verniedrigt". Alles sieht jetzt luftig und leicht aus:




So "ganz nebenbei" hat Vidigal auch im vorderen Bereich des Grundstücks aufgeräumt: Der Grapefruitbaum steht wieder frei, hat jetzt Luft und Sonne. Dafür musste ein riesiger Rapido weichen, außerdem ist Vidigal in einen der beiden hohen Aprikosenbäume gestiegen, um dort ebenfalls auszulichten. Da wird noch ne Menge zu tun sein in den kommenden Monaten... Aber ich hoffe, Vidigal steht mir weiterhin zur Seite! 
Ich hoffe, er hat nächste Woche Zeit - wir arbeiten "auf Zuruf", aber das wird klappen, da bin ich sicher. Er müsste außerdem ein paar Pflanzarbeiten machen, denn wir haben schon beschlossen, dass ein Beet, in dem Senhor Sancho sein Unwesen treibt, mit Aloe Vera bestückt wird. Die liebe Kerstin brachte mir schon ein paar weiß Blühende, und von den "normalen" Roten in meinem Garten gibt es, meint Vidigal, mindestens 10 Kinder. 

Vidigals zweiter Job:
eine kleine Treppe runter auf die zweite Terrasse, wo Zitronen und Orangen, Avocados und Guaven, Grüner Spargel und Pflaumen wachsen und gedeihen (wenn sie denn ordentlich beschnitten werden). 
Nachdem Vidigal auf der oberen Terrasse bereits gründlich zugange war und sich dabei neben einem riesigen Berg Garten"abfall" zum Verbrennen im Herbst (nach den ersten Regentagen!) viele stabile Äste ergeben hatten, baute er mir fünf Stufen nach unten. Sie sind mit Ästen als Holzleisten gestützt und müssen sich erst setzen, klar. Nach dem ersten Regen werden wir sehen, ob man nachbessern muss, damit alles schön stabil bleibt.


Meine Vermieter waren sehr angetan, gaben mir aber den Tipp: Ein Geländer wäre nicht schlecht. Da haben sie recht, und das wird Vidigals nächster Job. Ich hoffe, er hat nächste Woche Zeit - wir arbeiten "auf Zuruf", aber das wird klappen, da bin ich sicher.

Samstag, 31. August 2024

Senhor Sancho verschmäht Leckerlis

Nein, er ist nicht krank. Frauchen hat nur ein neues Spielzeug erworben, das viiiiel interessanter ist. Tipp kam, glaub ich, von Connie, und das war aber nun mal ein so richtig guter Hinweis (extra Danke dafür!): Seit ein paar Wochen ist ein Ball-Katapult in der Casa Leone eingezogen. 

Wenn es nicht benutzt wird, liegt es OBEN auf dem Wohnzimmerschrank, was dazu führt, dass der Senhor anbetend davorsteht. Zu hoch für ihn, leider!

Morgens war's bis zum Eintreffen dieses tollen Geräts üblich, dass Seine Hoheit mit Nasensuchspielen beschäftigt wurde. Leckerlis verstecken und er muss/darf/will dann finden. 

Seit das Ball-Katapult da ist, lässt Senhor Sancho jedes Leckerli liegen, tobt durch den Garten, wirft Frauchen den abgeranzten, vollgesabberten und angekauten Tennisball vor die Füße, und sein Blick sagt deutlichst: "Nochmal, bitte!"
"Zwischendurch mal Pause und vielleicht ein Leckerli?"
"Nix da! Ball!!"

Und so sitze ich morgens und spätnachmittags (mittags an diesen Sommertagen - noch! - nicht) gemütlich mit Morgentee oder Abend-Gin&Tonic auf der Terrasse und werfe Bälle durch die Gegend.

Platz genug haben wir ja, und wenn der Ball mal "aus Versehen" im Pool landet, macht's auch nix, denn der Senhor weiß sich zu helfen. Der Ball ist interessanter als sein blauer Hai, bin gespannt, wann er ins Wasser fällt beim Rausfischen seines Balls.

 

Und nachher dann?

Ruhen. Erholt hat er sich nach ca 5 Minuten, dann könnt es, ginge es nach Seiner Hoheit, gerne weitergehen...

Montag, 15. Juli 2024

Senhor Sanchos freudigste Überraschung

Der Senhor hatte heut ein Erlebnis, das ihn bis ins Mark erschüttert hat. Ich steh in der Küche, hebe zwei kleine leckere Bratwürstchen aus der Pfanne aufs Küchenbrett, um sie klein zu schnibbeln. Weil sie waren zum Anbraten mit ein paar Restnudeln und Ei drüber für mein Mittagsmahl vorgesehen.

Selbstverständlich ist Seine Hoheit in der Küche an meiner Seite. Es kööönnte ja ein Fitzelchen für ihn abfallen. Da steht Hund sicherheitshalber in der Gegend rum.

Das Brettchen zum Schneiden kippelt und dem Senhor fliegt eine komplette Wurst direkt ins Maul. Er war so überrascht/erschrocken, dass er es erst nicht glauben konnte und vergaß zu kauen. Nach ner Sekunde allerdings... Freudenfest!!!

Leider lag das Handy samt Kamera außerhalb meiner Reichweite. Sonst könnte ich das verdutzte Gesicht Seiner Hoheit belegen. Aber ich habe ein anderes Foto gefunden, das Seine Hoheit "in Erwartung" zeigt. 

Ansonsten ist Senhor Sancho ruhig geworden nach dem Tod von Madame Bela. Er hängt sehr sehr sehr an mir, hat auch wieder angefangen, zu jaulen und zu bellen, wenn ich ohne ihn außer Haus gehe. Bei den jetzigen sommerlichen Temperaturen ist das leider immer der Fall. Bringt ja nix, das arme Tier mitzuschleppen, wenn ich zum Einkaufen fahre. 

Zum Treffen mit Postboten und anderen Lieferanten darf er mit, das sind ja nur kurze Ausflüge. Alles andere time ich so, dass die liebe Fátima im Hause ist...

Sonntag, 14. Juli 2024

Das 1. Mal: Digitaler Lebensnachweis.

Man glaubt es ja kaum:
Auch bei der Deutschen Rentenversicherung hat das digitale Zeitalter begonnen, und so ist es seit 2024 für alle Rentner im Ausland erstmals möglich, den jährlich angeforderten "Lebensnachweis" digital zu erstellen. Wow!

 
Es ist allerdings nicht sooo einfach, wie es auf dem erklärenden Beiblatt beim Rentenanpassungsbescheid 2024 erklärt wird.

Ich hab's eben ausprobiert, und - ich weiß: ehemals blond und auch noch aus Bayern, aber trotzdem ziemlich internetaffin - es hat denn doch ein wenig Recherche gekostet, um das Ganze zu handhaben. Aber ich wollt es

  1. ausprobieren, um mir
  2. den Weg zur Freguesia wegen offiziellem Stempel mit Unterschrift des Presidente samt
  3. Stempelgebühr (hier in Monchique 5€) und
  4. Briefmarke bei der Post plus Parkplatzsuche dort zu ersparen.

Da ist so eine digitale Identifizierung schon einfacher. Falls sie denn klappt.

Auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung gibt es einen Link, in dem Schritt für Schritt erklärt wird, was zu tun ist, um den Digitalen Lebensnachweis zu erbringen

VORAB wichtig zu wissen:
Neben ner guten Portion Geduld (bzw. paciência - das kennen wir ja bekanntlich in Portugal 😉) braucht man

  • ein Smartphone oder Tablet (Andoid oder iOS)
  • eine einigermaßen stabile Internetverbindung
  • den Personalausweis oder Reisepass (beide NICHT abgelaufen!)
  • zwei Apps: einmal die Postident-App (gibt's für Android und iOS) und zum zweiten eine QR-Scan-App
  • das Schreiben der Rentenversicherung, auf dem der QR-Code mit eurem Namen und (oben) einer achtstelligen Referenznummer steht.
  • eine Emailadresse, damit PostIdent euch mitteilen kann, ob alles geklappt bzw. irgendwas oder nix geklappt hat.

Ich bin gerade beim vierten Anlauf - seufz. Aber es ist ja Sonntag, mein Internet ist gerade mal stabil und ich hab nix anderes vor, während das Mittagessen im Ofen schmurgelt.

Mehrmalige Anläufe waren/sind es bei mir deshalb, weil während des Verfahrens mehrere Fotos gemacht werden müssen: Vorder - und Rückseite des Ausweisdokuments, außerdem Fotos von einem selbst und - daran hängt es anscheinend gerade - eine Fotoserie von dem Hologramm, das auf PersAus bzw. Reisepass zu sehen ist.

Das wird innerhalb der PostIdent-App alles gut erklärt und ist bestens nachvollziehbar und sozusagen narrensicher zu handhaben. Aber es scheint nicht sooo einfach zu sein, diese Hologramme richtig zu übermitteln.

Bis jetzt kam jedenfalls nach wenigen Minuten jeweils eine Mail mit dem Hinweis: "Die Hologramme und Sicherheitsmerkmale auf Ihrem Ausweisdokument sind nicht gut genug erkennbar. Bitte versuchen Sie es noch einmal ..."

Ich werd's weiter versuchen und weiter berichten...

Bis zum 16. August - das ist der allerletzte Termin, bei dem der Digitale Lebensnachweis eingegangen sein muss - ist ja noch ein paar Tage hin. Schlimmstenfalls geh ich halt doch wieder zur freguesia und schick alles mit der Schneckenpost.

UPDATE: Vor ner Minute erreichte mich folgende Mail:

"Guten Tag - Ihre Identifizierung bei der Deutschen Post AG war erfolgreich und ist somit abgeschlossen."

Juhu und tandaradei. 🙂

Montag, 8. Juli 2024

Krieg ist unzivilisiert? Wirklich? Eine andere Sichtweise.

Text von Joey Hofmann - auf X/Twitter und Facebook veröffentlicht.
Danke dafür.
Gut zum Darüber-Nachdenken und evtl. eigene Ansichten revidieren.
Ich war Pazifistin - bis zu Putins Überfall der Ukraine im Februar 2022.
Spätestens nach dem 7. Oktober 2023, nach den grauenhaften Terrorakten der Hamas auf Israel, denke ich anders. 

Krieg ist unzivilisiert?

Ein Kommentator auf X schrieb eben, Krieg sei „unzivilisiert“.
Welch absurde Verzerrung.

Der Schimpansen-Krieg von Gombe zeigt, dass der Kampf um Ressourcen evolutionär tief verankert sind. Mehr sind Kriege nicht. Aber er ist nur einer Spezies inherent.

Erst wenn eine Gruppe Ressourcen anhäuft oder für sich beansprucht, wird Krieg überhaupt zur Option.

Menschliche Schlachten sind erst weit nach der neolithischen Revolution nachgewiesen. Meggido, Seevölker, Tollensetal...

Über Jahrtausende waren Krieger diejenigen, die die Gesellschaften geführt haben und deren Eliten waren. Weltweit. Abgesehen von Religionen.

Die gesellschaftliche Ordnung hat professionelle Krieger bezahlt. Dutzende Bauern mussten für den Unterhalt eines Kriegers zahlen. Für den Krieg wurden aus Steinen Kupfer, aus Kupfer Bronze, aus Bronze Eisen. Ein Schlachtross war ein Ferrari, nur teurer im Unterhalt. Ein Ulfberht war so viel wert, dass es gefälscht wurde. Mehr als viele Jahresgehälter eines „Bürgers“.

Ach, wie weit sind wir gekommen, Maschinen das erledigen zu lassen. Wer sich heute mit Krieg befasst, ist Aussätziger und vermutlich psychisch krank. Und Kriegsgeil eh. Die Söldnermentalität ist so naheliegend.

Sokrates hat als schwerer Hoplit u.a. an der Belagerung von Potidea teilgenommen. Wo es durch die Belagerung wohl zu Kannibalismus kam. Und sollte als freier Bürger, der seine Ausrüstung selber zahlen musste, ausgezeichnet werden.

Krieg ist per Definition nicht unzivilisiert. Krieg ist ein Ergebnis der höchsten Stufe der Zivilisation. Ausschließlich sozial organisierte Hominidae mit angehäuften Ressourcen kommen überhaupt auf die Idee, Krieg zu führen.

Krieg ist nicht „unzivilisiert“. Es ist die Königsdisziplin von Zivilisation. Würden wir alle nur das besitzen, was wir zum Leben brauchen, gäbe es keinen Krieg.

Was Viele wohl meinen ist die Moral. Zeitgeistig, wohlgemerkt.

Aber diese Moral ist erst ein Augenzwinkern der Menschheitsgeschichte alt.

Ich finde sie gut. Ich finde, wir sollten sie hegen und pflegen. Wie einen kleinen Spross, von dem wir einmal ernten wollen.

Ich finde es, übrigens ebenfalls aus evolutionspsychologischen Gründen, ganz cool, wenn man ohne Krieg auskommt.

Aber alleine in der Simplifizierung, Krieg sei „unzivilisiert“, steckt wie unter einem Brennglas der Selbstbetrug des neuen Gottes Individualismus. Man stirbt nicht nur ungerne, viel mehr will man kein Teil einer Masse sein.

Wir täten gut daran zu hinterfragen, ob Chinesen, Iraner, Russen und Palästinenser das wirklich genauso sehen.

Bisher konnte mir kein selbsterklärter Pazifist beantworten, was passiert, wenn wir alle Waffen verbrannt haben und der erste wieder einen Knüppel aufhebt.